Es ist Freitag, das Wochenende steht vor der Tür, den ganzen Tag Sonne satt. Das heutige Ziel schon die ganze Woche fest im Blick. Pünktlich zum Feierabend zieht mehr und mehr ein stürmischer Wind auf und schiebt dicke Wolken vor die Sonne. Es sieht eher nach Regen als nach Wetterbesserung aus.

Doch lieber nach Hause? Kommt schon noch mal ein besserer Tag zum Wandern und Fotografieren?
Natürlich nicht! Schlechtes Wetter gibt es nicht zum draußen sein und entdecken. Und wenn es nur ein kurzes Wetterfenster gibt, hat sich der Aufwand gelohnt.

Eines kann ich jetzt schon verraten, geregnet hat es glücklicherweise nicht und es entstand ein einzigartiges Lichtspiel.

Es geht bergauf – Einstieg durch die Eulentilke

Start und Ziel der heutigen kurzen Feierabendtour soll der Wanderparkplatz am Nassen Grund sein.
Die Kirnitzsch plätschert fröhlich vor sich hin und schickt mir eine frische Brise herüber. Trotz Wolken ist es doch noch recht warm an diesem Nachmittag. Voller Vorfreude, bepackt mit aller nötigen Ausrüstung, raschelt der Boden unter meinen laufenden Füßen, als ich mich in die Natur stürze.

Der breit ausgebaute Forstweg führt mich seicht bergan. Der Nadelduft gut auszumachen. Leider liegt das vor allem am umtriebigen Borkenkäfer und den massiven Sturmschäden der letzten Jahre. Es ist wirklich licht geworden im Wald und die Bäume, welche noch stehen, sehen auch nicht wirklich gut aus. Hoffentlich heilt die Zeit die Wunden.

Es dauert auch gar nicht allzu lange, da zeigt sich auch schon mein erster Abzweig. Durch die Eulentilke geht es nun auf schmaleren Pfaden, vor allem auch merklich steiler, bergauf.

Vielleicht habe ich mich zeitlich doch etwas verschätzt, als ich die Zeitangabe auf dem Wegweiser lese. Auf der Wanderkarte sah der Weg vorher doch gar nicht so weit aus. Aber ich muss eingestehen, es wird zunehmend anstrengender, je weiter sich der Weg zieht, was anfangs noch mit den zunehmenden Höhenmetern zu tun hat.

In der schluchtenartigen Eulentilke gibt es einiges zu bestaunen. Hinter jeder Kurve erscheinen die unterschiedlichsten Sandsteingebilde, teilweise überdeckt mit formschönen Farnen und Gräsern.
Ab und an kommen andere Wanderer entgegen, grüßen freundlich und setzen Ihren weg nach unten fort. Ansonsten ist es herrlich ruhig und die Vögel lassen sich durch meinen lauten Sauerstoffbedarf nicht ablenken.

Etwas weiter oben flacht es sich ab und das Gelände öffnet sich. Erste Blicke auf das Affensteinmassiv werden frei. Der Kletterfelsen “Wilder Kopf“ grüßt mich schon von Weitem. Ein kleines Stück weiter laufe ich auf eine Kreuzung zu. Wer hier links abbiegen will, kommt direkt auf den Unteren Affensteinweg, von dem aus auch ein direkter Zugang zur Zwillingsstiege oder etwas anspruchsvoller zur Häntzschelstiege besteht. Für mich geht es aber geradeaus weiter in die Fänge der Wilden Hölle.

Der Eingang zur Wilden Hölle – die Hände werden schmutzig

Die Baumkronen werden dichter, der Weg wieder steiler, das Licht weniger. Kurz darauf stehe ich am felsigen Einstieg und mache mir einen Plan, wie ich die ersten Felsenstufen bezwinge. Es ist geglückt und mit guter Trittsicherheit geht es auch schnell weiter bergauf über weitere Stufen und Eisenleitern.

Aber eines steht jetzt schon fest, bevor ich an einem etwas wackeligen Punkt komme. Die Felsschluchten und urigen Anblicke wilder Bäume geben einen klasse Eindruck an die Zeiten vor der touristischen Erschließung, denkt man sich die Leitern, Haken und Felsstufen einmal weg. Wirklich wildromantisch.

Wilde Hölle Schulterblick

Mit Schwindelfreiheit, festem Tritt und Haken zum Festhalten gehts dann etwas ausgesetzter ums Eck und noch ein Stück am Felsen entlang, bis ich wieder festen matschigen Boden unter den Füßen Kleben habe. Jetzt ist noch mal der Moment gekommen, sich umzudrehen, auf die Schultern zu klopfen, durchzuschnaufen und diesen genialen Blick zu genießen.

Wer jetzt aber denkt “puh es ist geschafft“, der ist noch lange nicht oben angekommen. Die Klettereien sind zwar vorerst vorbei, aber trotzdem gehts noch mal ein gutes Stück bergauf über Stufen, Wurzeln, Sand und Gestein. Es bleibt dennoch romantisch und für jeden der Natur gerne nah an sich hat ein echter Genuss.

Es werde Licht – ein fantastischer Höhepunkt

Heller wird es erst, als die nächste Weggabelung vor mir liegt. Und ja, der Weg durch die Wilde Hölle ist schwierig!

Von hier an ist es nicht mehr weit bis zum Ziel. Ein leichtes Lüftchen weht, ansonsten Stille. Herrlich! Der Puls ist wieder auf Normalbetrieb und ich bin zeitlich so gut unterwegs, dass ich mich noch mal ein kleines Stück auf den Wegen rechts und links umschaue. Man weiß ja nie, was man hinter der nächsten Kurve verpassen könnte.
Und siehe da, die ein oder anderen skurrilen Gestalten lassen sich doch noch bestaunen. Auch wenn die Farben in der frühen Jahreszeit durch fehlenden Sonnenschein noch nicht ganz so ins Auge springen, das Grün leuchtet schon kräftig.

Felsgestalt

Die letzten Meter nach oben gehen dann ganz gut voran. Kleiner Abzweig nach rechts und es zeigen sich schon langsam die ersten Aussichtspunkte. Und was für welche! Ein ganzes Meer an Felsgipfeln und Tälern springt ins Auge.

Carolafelsen

Und nun frage ich noch mal in mich hinein: Hat es sich gelohnt aufzubrechen, trotz der schlechten Wetterprognose? Aber natürlich! Gut, die Sonne kommt jetzt nicht so richtig zum Vorschein, aber hey dieser Ausblick, fast allein auf dem Stein stehend. Genial. Und je weiter sich der Abend dem Sonnenuntergang nähert, desto öfter reißt hier und da die Wolkendecke auf und gibt echt großartige Lichtstimmungen preis.

Und kurz bevor ich die Zelte zum Abstieg wieder abbrechen will, erleuchtet ein einzigartiger Sonnenstrahl das Panorama der Sächsischen Schweiz. Gigantisch.

Carolaaussicht

Tipp: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit kombiniert mit festem Schuhwerk sind unbedingt erforderlich. Bei Schnee und Eisglätte ungeeignet und gefährlich. Das Begehen der Wege erfolgt ausdrücklich vollständig auf eigene Gefahr und sollte immer nach eigenem Konditions- und Fitnessstand abgewogen werden.
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